The Notwist
Über die Jahre hat sich das Koordinatensystem von The Notwist kontinuierlich verändert: vom Hardcore-Punk der Gründungsphase als Trio Ende der 80er-Jahre im oberbayerischen Weilheim über Gitarrenmusik hin zu dem offenen Soundgefüge aus Electronica, Dub, Jazz und Pop, für das die mittlerweile in München ansässige und zum vielköpfigen Kollektiv gewachsene Band heute steht. Konstant blieb auf dieser Klangreise vor allem eines: die Stimme von Markus Acher. Leise, fragil, mit bewusst nicht geglätteter Färbung, trägt sie Texte, die sich zwischen Zurücknahme und latenter Schwermut bewegen, ohne je ins Pathetische zu kippen.
Mit »News from Planet Zombie« setzen The Notwist diese Bewegung dieses Jahr fort, allerdings unter leicht veränderten Vorzeichen. Das Album wurde im Münchner Import Export, einem gemeinnützigen Raum für Kunst und Musik, live eingespielt – etwas, das The Notwist seit ihren Anfangstagen nicht mehr gemacht haben. Ein Experiment, dessen schnelles Gelingen die Band selbst überrascht hat.
Inhaltlich kreisen die Stücke um die Paradoxien einer Gegenwart, die sich zunehmend selbst fremd wird. Die Anleihen an Zombie- und Horrorfilmästhetiken sind ein expliziter Kommentar zur Weltlage, die ins B-Movie-artig Groteske kippt. Gleichzeitig insistiert das Album auf Möglichkeiten von Verbindung – nicht als Utopie, sondern als leise Behauptung. Gerade in dieser Zurückhaltung entfaltet »News from Planet Zombie« eine Form subtiler Radikalität, die sich der Effekthascherei des Zeitgeists verweigert und im Unaufgeregten ihre Essenz findet.


