Pop-Kultur Festival
24.–30.8.26
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Storytelling – Establishing Platforms for Independent Voices

Talks, Dienstag, 25.8.2026, 20:00–21:00, Silent Green (Atelier 1), Englisch

Dee Sada, Melissa Perales, Judith Wayjsgrus, Amy Zayed (Mod.)

Die Collage zeigt vier Porträts nebeneinander. Von links nach rechts: Melissa Perales ist als Nahaufnahme vor einer Backsteinfassade zu sehen. Judith Wayjsgrus ist im Profil vor dem silent green Kulturquartier abgebildet. Amy Zayed sitzt vor einem grauen Hintergrund und trägt blaue Ohrringe. Dee Sada sitzt mit Kopfhörern hinter einem Laptop.
Melissa Perales, Judith Wayjsgrus, Amy Zayed, Dee Sada

Welche Rolle spielen Grassroots-Initiativen in einem musikalischen Ökosystem, das zunehmend von Plattformlogiken, Reichweitenmetriken und algorithmischer Sichtbarkeit bestimmt wird? Wer nicht in die Muster der Empfehlungsmaschinen passt, taucht oft gar nicht erst auf – zu sperrig, zu lokal, zu experimentell, zu wenig verwertbar. Während Streamingplattformen und soziale Medien Karrieren immer stärker entlang von Daten, Trends und Aufmerksamkeit organisieren, geraten jene Räume unter Druck, die Musik jenseits des Marktfähigen entdecken, begleiten und kontextualisieren.

Das Gegenmodell existiert allerdings weiterhin: kleine, unabhängige Plattformen, Community-Radios, selbstorganisierte Festivals und kuratierte Programme, betrieben von Menschen, die Musik nicht nur distribuieren, sondern recherchieren, einordnen und mit Haltung vermitteln. Orte also, an denen kulturelle Arbeit noch als soziale Praxis verstanden wird – langsam, subjektiv, leidenschaftlich und oft prekär.

Das Gespräch widmet sich genau diesen Strukturen: Wie lassen sich unabhängige Szenen heute erhalten? Welche Formen von Öffentlichkeit können Grassroots-Initiativen überhaupt noch schaffen? Und wie verändert sich kulturelle Kurationsarbeit in einer Zeit permanenter digitaler Beschleunigung?

Dee Sada kennt beide Seiten dieses Spannungsfeldes. Als Musikerin tritt sie mit ihrer Band An Experiment on a Bird in the Air Pump beim Pop-Kultur Festival auf, zugleich hostet sie mit »For The Lost« eine Sendung beim Londoner Community-Radio Resonance FM und arbeitet an unterschiedlichen Workshop- und Researchprojekten zu unabhängiger Kulturarbeit. Zwischen Performance, Radio und kollaborativer Praxis bewegt sie sich in genau jenen Zwischenräumen, die algorithmische Systeme meist übersehen.

Die Berliner Perspektive bringt Judith Wajsgrus ein. Als Station Managerin des im Wedding ansässigen Radiokollektivs Cashmere Radio gestaltet sie seit Jahren ein Modell von Radio als offenem kulturellen Raum – kollektiv organisiert, experimentell gedacht und eng mit lokalen Szenen verbunden. Mit ihrem Hintergrund in Literatur- und audiovisuellen Studien verbindet sie kuratorische Praxis mit medienkultureller Reflexion.

Von der Live-Seite aus blickt Melissa Perales auf die Bedingungen unabhängiger Kulturarbeit. Ob im Schokoladen, bei Music Pool oder im Rahmen eigener Festivalprojekte: Seit vielen Jahren engagiert sie sich mit großer Beharrlichkeit an der Basis musikalischer Communities. Ihre Arbeit verbindet Booking, Kuratieren, Beratung und politische Organisierung – getragen von einem dezidiert intersektional-feministischen Verständnis von Kulturarbeit. Oder, wie sie es selbst formuliert: »festival curator, music promoter, consultant, & supervisor, mama, intersectional feminist, child of immigrant, global citizen & kickass dinner party host.«

Moderiert wird das Gespräch von der Kölner Journalistin Amy Zayed. Als Musikjournalistin, Radiomoderatorin und Podcasterin beschäftigt sie sich intensiv mit Fragen digitaler Öffentlichkeit und Zugänglichkeit. Als Medienexpertin mit Sehbehinderung arbeitet sie seit Jahren zu digitaler Barrierefreiheit und vermittelt ihre Erfahrungen in Workshops zu inklusiver Medienarbeit mit und für blinde Menschen. Damit erweitert sie die Diskussion um eine Perspektive, die in Debatten über Technologie, Plattformen und kulturelle Teilhabe noch immer viel zu selten mitgedacht wird.

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