Samrattama
Hinter SAMRATTAMA, dem Projekt des in Kostanay geborenen Künstlers Samrat Irzhassov, verbirgt sich eine ebenso persönliche wie politische Suche nach Identität in einem Land, das noch immer zwischen sowjetischem Erbe, Globalisierung und kultureller Selbstvergewisserung oszilliert. Seine Konzerte bewegen sich im Spannungsfeld von Musik, Theater und Performancekunst, während sich in seinen zweisprachigen Texten intime Selbstbefragung und gesellschaftliche Beobachtung miteinander verweben.
Aufgewachsen im russisch geprägten Norden Kasachstans, kam Irzhassov erst nach seinem Umzug nach Almaty intensiver mit der Frage in Berührung, was es überhaupt bedeuten kann, heute kasachisch zu sein. Die Stadt wurde für ihn zu einem Labor kultureller Neuerfindung. Er begann, die kasachische Sprache zu lernen, griff zur Dombra und näherte sich traditionellen Formen nicht als Bewahrer, sondern als Suchender. »Authentizität«, so scheint seine Musik zu sagen, ist kein Zustand, sondern ein Prozess.
Seine Songs verbinden Indie, Spoken Word, elektronische Fragmente und traditionelle Klangfarben zu einem vielschichtigen Kosmos, in dem Vergangenheit und Gegenwart miteinander ringen. Die EP »Mıñ Müñ« von 2024 kreist um Erinnerung, Verlust und Zugehörigkeit, während Stücke wie »Dekorativny Qazaq« oder »bitpeitin bit« Fragen nach Herkunft, kultureller Zentralisierung und den Widersprüchen einer jungen Nation verhandeln.
Der Name SAMRATTAMA trägt diese Ambivalenz bereits in sich. Er verweist zugleich auf Samrats Stammeszugehörigkeit und lässt sich als Aufforderung lesen, gerade nicht Samrat sein zu wollen. Denn für Irzhassov gibt es keinen allgemeingültigen Weg zur eigenen Identität. Seine Musik versteht sich als Einladung zur Suche – nach den eigenen Wurzeln ebenso wie nach neuen Möglichkeiten, Tradition in die Gegenwart zu übersetzen.

