Rosa Anschütz
Der Titel des aktuellen, vierten Albums von Rosa Anschütz legt zunächst eine falsche Fährte, denn »Sabbatical«, erschienen beim in Los-Angeles ansässigen Label Heartworm Press, verweist nicht naheliegenderweise auf eine Auszeit der Künstlerin, sondern ist vielmehr als Phase des reflektierten Blicks zurück auf die eigenen Anfängen zu verstehen. Der clevere Hintergedanke: all die Themen zu lokalisieren, die sie belasten, und diese in neuen Songs zu verarbeiten, sodass es danach frei weitergehen kann.
Rosa Anschütz‘ Musik ist im Klang-Bermudadreieck aus Darkwave, Post-Punk und Synth-Pop zu verorten, wobei ihre Arbeiten zwischen Installation, Performance und Album-Gesamtkunstwerk oszillieren. Mit »Votive«, »Goldener Strom« und »Interior« hat sie so eine Werktrilogie geschaffen, in der Klang stets auch materiell gedacht und umgesetzt wurde: Tonfiguren, Bühnenbilder, bestickte Landschaften. Und nun »Sabbatical« als bewusstes langes Aus- und Einatmen – mit der Rückkehr zu frühen, roheren Texten, die weniger verschlüsseln, mehr freilegen.
Rosa Anschütz’ künstlerischer Weg ist von einem angenehmen Internationalismus geprägt, nicht als Karrierepfad, sondern als Flucht aus engen Erwartungsräumen und eher schwierigen Erfahrungen mit deutschen Labels und Touragenturen, denen es weniger um wirkliche Zusammenarbeit ging als um ein Einverleiben der Musikerin. Ihren Plattenvertrag in den USA erhielt sie eher zufällig über ihre monatliche Radioshow beim Hong Kong Community Radio, in der sie Gedichte und Musik verwebt – und so das Interesse von Heartworm Press weckte, die primär Bücher und Lyrik veröffentlichen, bei ihr jedoch schnell auch die Musik herausbringen wollten.
Der Auftritt beim diesjährigen Pop-Kultur Festival ist übrigens keineswegs ihr Debüt: Bereits 2023 hat sie im Maschinenhaus gespielt (damals noch deutlich technoider); 2024 war sie im Rahmen einer Kooperation mit den Bands Black Boboi und Eddna zu sehen.


