Politics & Verantwortung – Moralischer Kompass vs. Kulturbetrieb
Christin Nichols, Daniel Meteo, Noura Labbani, Reinher Karl, Thomas Venker (Mod.)
Der Pop-Betrieb liebt die Pose der Haltung – solange sie nicht teuer wird. Doch was passiert, wenn ethische Überzeugungen nicht mehr diskursiv, sondern existenziell werden? Wenn Absagen, Boykotte oder öffentliche Positionierungen reale Konsequenzen haben – für einen selbst und für andere?
Dieses Panel verhandelt die (Un-)Vereinbarkeit individueller Moral mit einem arbeitsteilig organisierten Kulturbetrieb. Künstlerische Entscheidungen sind nie nur individuell, sie ziehen Kreise: Agenturen, Labels, Crews, Förderstrukturen und internationale Partner*innen. Der Dominoeffekt ist real – ökonomisch wie symbolisch.
Thomas Venker, Chefredakteur von Kaput – Magazin für Insolvenz & Pop, diskutiert mit Labelmanagerin Noura Labbani, Verleger Daniel Meteo, Musikerin und Schauspielerin Christin Nichols und Anwalt Reinher Karl. Anhand der kulturellen und politischen Verwerfungen rund um die Epstein-Files und die Verwicklungen der Wasserman-Agentur wird die Frage nach Komplizenschaft durch Nähe oder Schweigen verhandelt.
Zentral ist die Frage: Gibt es so etwas wie eine solidarische Moral im Pop – oder bleibt jede Entscheidung letztlich individuell und marktförmig gerahmt? Dabei soll nicht moralisch abgeurteilt, sondern strukturell gedacht werden: Welche Verantwortung tragen Künstler*innen? Welche trägt der Betrieb? Und wo beginnt die Selbsttäuschung einer Branche, die gerne progressiv auftritt, aber selten ihre eigenen Machtverhältnisse reflektiert?
Noura Labbani lebt in Berlin und arbeitet seit über 15 Jahren in der Musikindustrie mit den Schwerpunkten Artist Development, Label Management und Digitalstrategie. Nach leitenden Positionen bei Unternehmen wie Beatport, DICE und Patreon sowie der selbstständigen Beratung internationaler Acts und Labels ist sie heute als EU-Label-Managerin für die europäische Expansion von Dirty Hit und dh2 verantwortlich.
Daniel Meteo arbeitet als Musikverleger mit Schwerpunkt Management bei der Berliner Firma Random Musick Publishing GmbH mit Künstler*innen wie Anika, Alan Abrahams oder Apparat. Er engagiert sich seit über 25 Jahren in der Berliner Musiklandschaft und bezieht mit seinem monatlichen Newsletter, aber auch auf vielen Panels und Workshops, seit Jahren Stellung.
Christin Nichols, 1991 in Ostwestfalen geboren und in Spanien aufgewachsen, schloss ihr Schauspielstudium an der HfS Ernst Busch in Berlin ab. Es folgten Engagements am Renaissance-Theater, dem Berliner Ensemble, der Volksbühne und dem Schauspiel Leipzig sowie in Film und Fernsehen. Als Musikerin hat die Deutsch-Britin mittlerweile drei Soloalben veröffentlicht: »I’m Fine«, »Rette sich wer kann« und »Christin Nichols«.
Reinher Karl arbeitet seit vielen Jahren schwerpunktmäßig im Urheberrecht, Markenrecht und Datenschutzrecht. Seine Mandant*innen kommen aus allen Bereichen der Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere der Musikwirtschaft und der Veranstaltungsbranche. Er berät den Verband der unabhängigen Musikunternehmer*innen auf nationaler und europäischer Ebene in Gesetzgebungsverfahren zum Urheberrecht, der Internetregulierung und im Bereich der Digitalisierung.
Thomas Venker (Köln) ist Mitherausgeber und Co-Chefredakteur von Kaput – Magazin für Insolvenz & Pop und Co-Kurator der Konzertserien »Köln ist kaput«, »Talking Kaput« sowie des Musik- und Kunstprogramms des Kölner Off-Space »Kapute Szene«. Bevor er 2014 Kaput gründete, war er 14 Jahre lang Chefredakteur des Intro Magazins. Er schreibt regelmäßig für ein Portfolio von Zeitschriften und Tageszeitungen und moderiert Panels und Symposien für kulturelle Einrichtungen. Neben seiner journalistischen Arbeit lehrt er Musikjournalismus und Künstler*innen-Marketing an mehreren deutschen Universitäten.


