Laylo
Wer versucht, Laylo Rikhsieva vorschnell als »usbekische Billie Eilish« einzuordnen – wie man es gerne mal lesen kann –, übersieht schnell das Wesentliche. Denn die in Taschkent lebende Sängerin und Songwriterin entwickelt seit einigen Jahren mit bemerkenswerter Konsequenz ihre eigene Sprache zwischen reduziertem Bedroom-Pop, Lo-Fi-Texturen und einer Intimität, die sich jeder bloßen Stilzuschreibung entzieht. Songs wie »Home«, »Simple« oder »Cry« entstanden zunächst im Schutzraum des eigenen Zimmers, als Möglichkeit, Gefühle auszudrücken, die im Alltag oft keinen Platz fanden.
Die Pandemie wurde für Laylo zum Wendepunkt. Aus einem Hobby wurde eine Notwendigkeit. Anstatt einem vorgezeichneten Lebensweg zu folgen, entschied sie sich für die Ungewissheit der Kunst und gegen die vermeintliche Sicherheit traditioneller Karriereentwürfe. Seitdem schreibt und produziert sie ihre Musik weitgehend selbst und entwickelt Kompositionen, die sich Zeit lassen, wachsen und oft erst Monate später ihre endgültige Form finden. Musikalisch reichen ihre Bezugspunkte von The Beatles und Linkin Park bis zu Joji, Jazz, Hip-Hop und Lo-Fi. Gleichzeitig verbindet sie eine familiäre Linie mit dem bedeutenden usbekischen Musiker und Maqom-Forscher Yunus Rajabiy. Dessen Erbe versteht sie jedoch weniger als Verpflichtung denn als Einladung, Tradition neu zu denken und kulturelle Grenzen zu überschreiten.
Laylo Rikhsievas Songs handeln von psychischer Gesundheit, Verletzlichkeit, Zugehörigkeit und der Suche nach einem eigenen Platz in der Welt. Für Laylo steht nicht der Erfolg im Vordergrund, sondern die Hoffnung, Musik zu schaffen, zu der Menschen immer wieder zurückkehren können.

