Horse Vision
Die schlichte Sentimentalität einer herausragenden Folkrock-Ballade ist in der Musik von Horse Vision ebenso präsent wie die digitalen, Auto-Tune-getränkten Melodien des Cloud-Raps. Das schwedische Duo um Johan Nilsson und Gabriel von Essen bewegt sich souverän zwischen tiefgehender Soundmalerei, Emo-Strukturen und klassischen Rock-Charakteristika mit geschrammelten Akustikgitarren und eingängigen Herzschmerz-Refrains.
Und doch erschaffen Horse Vision eine eigenständige Form von Indie-Rock, die Gitarren mit Samples verbindet, Auto-Tune mit handgemachtem Songwriting, Melancholie mit spielerischer Experimentierlust. Mancher Indie-Fan dürfte sich dabei an Acts wie Alex G erinnert fühlen. Auf ihrem Album »Another Life« wird dieser Ansatz besonders deutlich: Alles wirkt zugleich vertraut und leicht verschoben, beinahe aus der Balance.
Man könnte das postmoderne Americana oder futuristischen Indie nennen – oder schlicht: modern. Denn so frisch und unverbraucht klingt diese Art von Folk-Songwriting nur selten. Wie oft stößt man schon auf Musik, die gleichermaßen Hyperpop-Hörer*innen als auch Fans von Elliott Smith anspricht?


