Eva Bottega: »CANTATA«
Mit ihrem Solo-Projekt führt Eva Bottega den künstlerischen Ansatz ihrer Band Ménades konsequent weiter. Stimme, Körper und Text greifen dabei untrennbar ineinander: Die Performance versteht sich weniger als klassisches Konzert denn als immersives Gesamterlebnis, bei dem der Körper zum Ort von Widerstand, Transformation und Befragung wird.
Im Zentrum der Commissioned Work »CANTATA« steht eine queer-feministische Auseinandersetzung mit Mystik, Hysterie und religiöser Ekstase, ausgehend von Figuren wie Jeanne d’Arc sowie vergessenen oder von der Kirche vereinnahmten Mystiker*innen. Inspiriert von den Schriften Georges Batailles, Michel Foucaults und Georges Didi-Hubermans untersucht Eva Bottega die Verbindung zwischen weiblich gelesenen Körpern, gesellschaftlicher Kontrolle und spiritueller Erfahrung. Körperliche Symptome wie unerklärliche Fieberzustände, Zittern oder Lähmungen erscheinen dabei als Spuren einer vermeintlichen Gottesnähe – oder sogar als Zeichen dämonischer Besessenheit.
Die Performance entfaltet sich als Reise durch unterschiedliche Zustände – von Leere, Wut und Melancholie bis hin zu einer mystischen Form von Harmonie. Mehrschichtige Stimmen, Choreografie, Licht und Kostüm lassen eine geisterhafte, hybride Figur entstehen, die sich in rituellen Vorgängen durch die Elemente eines kargen Schlafzimmerraums bewegt. Die reduzierte Szenografie – im Mittelpunkt stehen Stühle sowie eine Kette – zitiert in ihrer Einfachheit Arbeiten von Pina Bausch und wird als choreografisches Element zentral in die Performance eingebunden. Der Raum fungiert dabei nicht bloß als Kulisse, sondern als wesentliches Mittel der Arbeit.
So entsteht ein sinnliches Ritual über Weiblichkeit, Hybridität sowie die erotische und subversive Beziehung zum Sakralen. Ziel der Arbeit ist es, Geschlechterbinaritäten zu hinterfragen und normative Vorstellungen von Körper, Spiritualität und Identität aufzubrechen.
Diese Live‑Performance entsteht in Zusammenarbeit mit Héloïse Jocqueviel.


