Empowerment vs. Reproduktion? Queer-feministischer Rap, Hyperpop und die Debatten um explizite Popkultur
Mariybu, Nebou N'diaye, Julia Gröschel (Mod.)
Kaum ein aktuelles Popphänomen polarisiert derzeit so sehr wie queer-feministischer Rap und Hyperpop. Künstler*innen wie Mariybu oder Ikkimel werden gefeiert, kritisiert, vereinnahmt und skandalisiert – oft gleichzeitig. Dabei geht es längst nicht mehr nur um Musik, sondern um Fragen von Feminismus, Sexualität, Jugendschutz, Empowerment und gesellschaftlicher Verantwortung. Warum lösen explizite Texte weiblicher und queerer Artists andere Reaktionen aus als vergleichbare Inhalte männlicher Rapper? Wo verlaufen die Grenzen zwischen Reclaiming und Reproduktion, zwischen Provokation und Klischee? Und welche Rolle spielt Pop dabei, gesellschaftliche Normen zu bestätigen, herauszufordern oder neu zu verhandeln?
Dieser Talk versteht sich ausdrücklich nicht als Pro- oder Contra-Debatte, sondern als Einladung, unterschiedliche Perspektiven sichtbar zu machen. Gemeinsam diskutieren Mariybu, Nebou N’Diaye (stellvertretend für das bangerfabrique-Kollektiv, zu dem sie gehört) und Moderatorin Julia Gröschel darüber, warum Popkultur immer auch ein Ort gesellschaftlicher Aushandlung ist – und weshalb genau darin ihre politische und kulturelle Kraft liegt.
Mariybu zählt zu den markantesten Stimmen des deutschsprachigen Hyperpop. Die Berliner Künstlerin produziert und schreibt ihre Musik selbst und verbindet kompromisslose Clubtracks mit Humor, Überzeichnung und einer radikal selbstbestimmten Perspektive. Zwischen queerer Popästhetik, Rap und elektronischer Musik verschiebt sie die Grenzen dessen, was im Mainstream sagbar erscheint. Mit Songs wie »Kein Ponyhof« und ihrem selbstbewusst als »Fotzenmusik« bezeichneten Sound ist sie zu einer prägenden Figur einer neuen Popgeneration geworden.
Nebou N’Diaye bewegt sich selbstverständlich zwischen Musik, Performance, Schauspiel und kultureller Bildungsarbeit. Bekannt wurde sie unter anderem mit dem Performance-Ensemble Hajusom, als Rapperin des Kollektivs bangerfabrique (das sich seit Jahren mit empowernden, expliziten und gesellschaftspolitischen Texten auseinandersetzt) sowie durch ihre Rolle in der ARD-Serie »Schwarze Früchte«. Darüber hinaus entwickelt sie dekoloniale Kunstprojekte und organisiert mit der Partyreihe Hoe Down Throw Down Räume, in denen Clubkultur, Rap und gesellschaftspolitische Fragestellungen zusammenkommen.
Julia Gröschel gehört zu den profiliertesten Stimmen der deutschsprachigen Hip-Hop-Kultur. Mit ihrem Podcast »Hip Hop Lebt« hat sie eine Plattform geschaffen, die Rap als kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Raum begreift. In persönlichen Gesprächen mit Künstler*innen und Akteur*innen der Szene verbindet sie Musik, Aktivismus und Branchenwissen. Neben ihrer journalistischen Arbeit ist sie als Beraterin, Managerin und Veranstalterin tätig und bringt Hip-Hop regelmäßig auch live auf Festivalbühnen.

