Creating Space for Listening
Anton Teichmann, Bronne Keesmaat, Katarina Grbic, Walmir Thomé, Dalia Ahmed (Moderation)
Musik entsteht nicht erst auf der Bühne, sondern in den Momenten, in denen jemand beschließt, genau hinzuhören. Jede künstlerische Laufbahn beginnt damit, dass eine Person Potenzial erkennt und einer anderen zuhört. Doch solche Momente entstehen nicht zufällig: Sie brauchen Räume, Vertrauen und Menschen, die kuratieren, vermitteln und Risiken eingehen. Dieses Panel versammelt Akteur*innen, die genau solche Räume schaffen – als Festivalmacher*innen, Labelbetreiber*innen, Radioredakteur*innen und Veranstalter*innen. Gemeinsam diskutieren sie, wie neue Musik heute sichtbar wird, welche Rolle der Kontext spielt, in dem sie gehört wird, und weshalb Festivals, Konzertreihen, Radiosendungen oder Labels weit mehr sind als bloße Ausspielorte. Sie sprechen darüber, wie Atmosphären, Regeln und kuratorische Entscheidungen das Hörerlebnis prägen, weshalb Exklusivität, Gemeinschaft oder Interdisziplinarität unterschiedliche Formen von Aufmerksamkeit erzeugen können und welche Verantwortung Kurator*innen und Veranstalter*innen gegenüber Künstler*innen und Publikum tragen.
Dalia Ahmed ist Musikjournalistin, Radiomoderatorin und DJ aus Wien. Sie ist beim ORF-Sender Radio FM4 tätig. In ihrer Sendung »Dalia’s Late Night Lemonade« mixt sie globale Club Sounds, featured Guest Mixes und spricht über Club-Culture-Trends. Sie ist Teil des FM4-Morning-Show-Teams und im Moderationsteam der Popkultursendung FM4 Hot.
Bronne Keesmaat ist Gründer und künstlerischer Leiter des niederländischen Rewire Festivals in Den Haag, das international als eines der wichtigsten Festivals für experimentelle und zukunftsweisende Musik gilt. Seit der Gründung verantwortet er gleichermaßen Programm und strategische Entwicklung des Festivals. Unter seiner Leitung wurde Rewire zu einem Ort, an dem elektronische Musik, Klangkunst, zeitgenössische Komposition und audiovisuelle Praxis selbstverständlich miteinander in Dialog treten.
Katarina Grbić ist Kulturproduzentin und Festivalleiterin mit Sitz in Barcelona. Als Mitgründerin des Festival Rizomes entwickelt sie ein Format, das Musik, bildende Kunst und temporäre Architektur mit Fragen ökologischer Nachhaltigkeit und gemeinschaftlicher Praxis verbindet. Darüber hinaus arbeitet sie seit vielen Jahren an großen Kulturprojekten der Stadt Barcelona und setzt sich für Produktionsweisen ein, die kulturelle Teilhabe, Fürsorge und ökologische Verantwortung zusammendenken.
Anton Teichmann gründete das Berliner Label Mansions and Millions, das sich mit Künstler*innen wie Discovery Zone, Meagre Martin, Sean Nicholas Savage oder Better Person international einen Namen gemacht hat. Parallel betreibt er gemeinsam mit Amande Dagod das Management A-Okay. Seine Arbeit ist geprägt von langfristiger Künstler*innenentwicklung und einem feinen Gespür für musikalische Positionen, die sich bewusst jenseits kurzfristiger Trends bewegen.
Walmir Thomé ist Mitgründer und Geschäftsführer von unreleased berlin, einer Konzertreihe, die das klassische Showcase-Prinzip radikal neu denkt. Das Publikum erfährt erst vor Ort, wer auftritt, Smartphones bleiben in der Tasche und jeder Act präsentiert mindestens einen unveröffentlichten Song. So entstehen Konzerte, in denen Aufmerksamkeit wieder der Musik gehört. Mit diesem Ansatz hat sich unreleased berlin in kurzer Zeit zu einem der spannendsten Liveformate der Hauptstadt entwickelt.

