Chris Imler
Bei Chris Imler handelt es sich um einen echten Veteranen der Berliner Musikszene, der bereits Anfang der 80er-Jahre in die damals noch geteilte Nicht-Hauptstadt zog. Imler war ein Ausreißer aus katholischen Familienverhältnissen in Augsburg, wo es – abgesehen von Robert-Johnson-Platten in der Stadtbibliothek – für seine hyperaktive Teenager-Version wenig zu holen gab.
Von seiner Agilität hat er in viereinhalb Jahrzehnten Berlin nichts verloren. Im Gegenteil: Ob an der Seite von Jens Friebe, Peaches, in Bands wie Oum Shatt und Golden Showers oder solo (ein Prozess, den er erst in seinen 50ern einleitete) – Imler sitzt nie lange still, sondern fordert sich und die Welt permanent heraus.
Sein aktuelles Album heißt nicht zufällig »The Internet Will Break My Heart« (vom britischen The Guardian zum besten experimentellen Album des Monats gekürt): Der präzise Beobachter unserer Zustände weiß, wo die Wunden unserer Existenz liegen – sei es die fortschreitende Gentrifizierung Berlins und der Welt, der zunehmend spießiger werdende Kulturbetrieb oder KI und Algorithmen als neue Metaebene unserer Existenz – und bearbeitet sie mit humorvoller Schärfe.
Als Musiker mit einem Faible für kaputte Dinge, die sich jeder Optimierungslogik entziehen, stehen dem selbst ausgebildeten Schlagzeuger und Tamburinspieler hochrhythmische Soundentwürfe und Performances gut zu Gesicht, die man zu Recht als Spektakel bezeichnen kann.
