Bar Italia
Sich bewusst an der Rockgeschichte zu bedienen und Musikfans an die coolen Lieblingsplatten ihrer Vergangenheit erinnern zu wollen, ist ein schmaler Grat. Schnell kann man in leeren Pastiche oder nostalgisches Retrogetue abdriften. Nicht aber die britische Indie-Band Bar Italia: Nina Cristante, Sam Fenton und Jezmi Tarik Fehmi erinnern mit ihren an Post-Punk- und Shoegaze-Sounds geschulten Songs an prägende Legenden der Achtziger und Neunziger – The Cure, Pavement, The Fall –, überzeugen jedoch mit einer zeitgemäßen Undurchschaubarkeit. Das mag daran liegen, dass Bar Italia ursprünglich aus dem Umfeld des geheimnisvollen Avantgarde-Künstlers Dean Blunt hervorgegangen sind und dessen Hang zum kunstvoll Verwaschenen übernommen haben.
Ihr aktuelles Album »Some Like It Hot« (erschienen auf dem amerikanischen Vorzeige-Indie-Label Matador) – benannt nach der gleichnamigen Filmkomödie mit Marilyn Monroe – sticht wiederum deshalb heraus, weil es etwas Licht in den melancholischen Nebel bringt. Die Gitarren sind muskulöser, die Melodien leichter zu greifen, insgesamt lehnt sich die Band stärker an arenareife Britpop-Einflüsse an. War die Grundästhetik von Bar Italia vor wenigen Jahren noch von einer enigmatischen Rätselhaftigkeit geprägt, präsentiert sich die Band nun also selbstbewusster – was auch auf der Bühne deutlich wird.


