Avalon Emerson & the Charm
Avalon Emerson hat sich nie bequem in einem einzigen Sound eingerichtet. Aus der Warehouse-Szene ihrer Heimatstadt San Francisco kommend, zog sie 2013 nach Berlin, erspielte sich eine Berghain-Residency und etablierte sich von dort aus weltweit als unberechenbare DJ, die sich der Routine verweigert, Experimente sucht und euphorisch zu unterhalten weiß. Ihre Sets verschachteln House, Techno, New Wave, Disco und obskure Rave-Tracks neu; ältere Dancefloor-Versprechen werden so mit gegenwärtigen Ansätzen verwoben. Emerson insistiert auf Beweglichkeit als bewusste künstlerische Verweigerung von Stillstand. Sie negiert jegliches Schubladendenken – ihre Sound- und Lebensdramaturgie ist so frei wie nur möglich.
Dazu gehört auch, dass sie neben dem DJing 2023 ihre eigene Band Avalon Emerson & the Charm gegründet hat. War das selbstbetitelte Debüt noch gekennzeichnet vom zarten Herantasten an die eigene Stimme und einen zwischen Indie und Electronica changierenden Sound, so zeugt der in diesem Jahr erschienene Nachfolger »Written into Changes«, veröffentlicht auf dem eigenen Label Another Dove (das sie zusammen mit Nic Tasker von AD 93 betreibt), von einer Musikerin, die ihre Stimme gefunden hat. In Analogie zu ihren DJ-Sets teilt die mittlerweile in New York lebende Künstlerin sowohl abrasive Dance-Momente als auch radikal reduzierte, fast entblößte Songs mit uns.
»Written into Changes« trägt unserer genrefluiden Gegenwart Rechnung. Man hört dem Album an, dass Emerson das Songwriting mittlerweile ebenso leicht von der Hand geht wie ihre DJ-Sets – es ist Teil ihrer DNA geworden.
Der sympathische Kommentar der Künstlerin zum neuen Album: »Ich bin so gesegnet, dieses Leben auf Erden zu haben, und deshalb sollte ich es auch nutzen.«

