Anushka Chkheidze & Robert Lippok
Manchmal erfüllen sich jene transnationalen Kollaborationsideen, die sonst allzu oft Theorie bleiben. Die Zusammenarbeit zwischen der georgischen Musikerin Anushka Chkheidze und dem deutschen Musiker Robert Lippok ist ein solcher seltener Fall: organisch gewachsen, offen im Prozess – und klanglich bemerkenswert eigenständig.
Kennengelernt haben sich beide 2019 in Tbilisi im Kontext eines Workshops zur Idee einer »Plug-in«-Architektur: modular gedachte Klangstrukturen, die sich immer wieder neu kombinieren lassen. Ein Konzept, das sich rückblickend fast wie eine Blaupause für ihre heutige Zusammenarbeit liest. Schnell lösten sich dabei klassische Rollenbilder auf – geblieben ist eine künstlerische Begegnung auf Augenhöhe.
Was daraus entsteht, entzieht sich bewusst klaren Zuschreibungen. Zwischen Indietronics-Referenzen, krautrockhaften Weiten und beinahe sakralen Ambienträumen entfaltet sich ein Sound, der weniger Ergebnis als fortlaufende Suche ist. Im Zentrum steht dabei eine Arbeitsweise, die keiner äußeren Logik folgt. Im Studio, oft wortlos, verdichten sich Zeit und Raum zu einem Zustand konzentrierter Gegenwart.
Unterschiede – sei es in Biografie, Herkunft oder Generation – werden nicht betont, sondern produktiv aufgelöst. So entsteht ein Klangraum, der gleichermaßen fragil und dringlich wirkt, minimal und zugleich weit. Oder, wie Anushka Chkheidze es selbst formuliert: Es geht immer nur um die Musik. Nachzuhören auf dem bei Morr Music erschienenen Album »Uncontrollable Thoughts«.
Anushka Chkheidze spielte übrigens bereits 2022 beim Pop-Kultur Festival, damals im Rahmen des Goethe-Talents-Nachwuchs-Programms – und kam so mit ihrer jetzigen Agentur zusammen.


