Akryl
Aufgewühlt klingt der Indie-Pop von Akryl allemal – als würde die schweizerische Sängerin die Probleme dieser Welt auf ihre eigenen Schultern laden –, bleibt dabei jedoch stets warm und einladend. Ihre Songs wirken, als würde die in Madagaskar geborene Newcomerin sie mühelos ausatmen: sanft gezupfte Akustikgitarren, subtile Klangtupfer und herzzerreißende Melodien. Darüber schwebt diese Stimme – verletzlich und im besten Sinne leicht nuschelnd.
Oft versteht man zunächst kaum, dass sie auf Deutsch singt; die Sprache funktioniert eher wie eine zusätzliche Textur. Und dann bleibt plötzlich doch eine Zeile hängen und entfaltet ihre ganze Wucht: »Meine Vergänglichkeit raubt mir den Atem«, singt sie in »Blumen aus Metall«. Große Poesie, die dennoch schwerelos anmutet.
Musikalisch bewegt sich das Ganze zwischen Folk, Indie-Pop und moderner Produktion. Die Songs atmen, entfalten sich und ziehen sich wieder zurück, erscheinen zugleich intim und groß. Gerade »Blumen aus Metall« zeigt diese Stärke: Erst tastet sich der Song vorsichtig voran, bevor sich in der zweiten Strophe langsam ein Groove hinzuschiebt und daraus ein intensiver Indie-Pop-Moment entsteht. Ein zarter und präziser Sound zwischen Phoebe Bridgers und Solange, der genau weiß, dass das Leben komplizierter ist, als man einst dachte.


