Female* Producer Prize: »Break the Loop« (DE)
Nur zwei Prozent der Top-100-Singles in Deutschland im Jahr 2023 wurden von FLINTA*-Produzent*innen produziert. Diese Zahl spricht für sich – und macht deutlich, wie stark Musikproduktion und Sound bis heute von männlichen Perspektiven geprägt sind.
»Female* Producer Prize: Break the Loop« bringt drei Stimmen zusammen, die das verändern wollen – und es längst tun: als Produzentinnen, self-producing Artists und Industrieakteurinnen.
Das Panel widmet sich den strukturellen Herausforderungen, persönlichen Geschichten und historischen Entwicklungen im Musikbusiness – mit dem Ziel, Räume für Sichtbarkeit, Ermutigung und echten Wandel zu schaffen.
Melbeatz, Sera Kalo und Finja Nierth teilen im Gespräch mit Moderator*in sherryaeri ihre Erfahrungen:
Welche Hürden mussten sie überwinden? Was hat sich durch Anerkennung und Preise verändert? Warum sind Wahrnehmungsräume wie dieser heute noch essenziell? Und: Was hat sich seit den 1990ern bewegt – und wo stehen wir noch ganz am Anfang?
Der Female* Producer Prize wird 2025 zum vierten Mal vergeben. Er wurde initiiert, um auf strukturelle Ungleichheiten in der Musikproduktion aufmerksam zu machen – und exzellente FLINTA*-Produzent*innen und Songwriter*innen zu stärken, sichtbar zu machen und zu fördern. Der Female* Producer Prize ist ein Projekt von Music Women* Germany in Kooperation mit Partnern wie Sony Music und – in diesem Jahr erstmals – der Initiative Musik.
Melbeatz gilt als eine der ersten und wenigen sichtbaren Produzentinnen (sie verantwortete unter anderem das Debütalbum von Kool Savas) im deutschsprachigen Hip-Hop. Seit den späten 1990ern prägt sie mit ihrem charakteristischen, melodiegetriebenen Stil das Genre – lange, bevor Diversität im Rap überhaupt Thema war. Ihr 2004 erschienenes Album »Rapper’s Delight« markierte einen Bruch mit der deutschraptypischen Provinzialität: Gäste wie Ol‘ Dirty Bastard, Kanye West oder Prodigy (von Mobb Deep) brachten internationale Referenzen, die nicht nur Namedropping waren, sondern Soundpolitik. Melbeatz hat Räume geöffnet, die anderen bis heute verschlossen bleiben – nicht durch Lautstärke, sondern durch klangliche Präzision und Haltung.
Finja Nierth ist Director Creative & Repertoire bei Sony Music Publishing, wo sie seit 2020 tätig ist. Gemeinsam mit Carlo Wittek leitet sie die kreative Ausrichtung des Hauses und betreut Künstler*innen wie Topic, Ela. und Kauta. Zuvor arbeitete sie als Creative A&R-Managerin bei Jive Germany und sammelte umfangreiche Erfahrung in Künstler*innenentwicklung und Musikverlagsarbeit. Finja engagiert sich aktiv für Nachwuchsförderung und gilt als etablierte Führungskraft in der Musikbranche.
Sera Kalo ist Gewinnerin des Female* Producer Prize 2024 und eine vielseitige self-producing Jazzkünstlerin. Mit Wurzeln in den USA und künstlerischem Lebensmittelpunkt in Berlin verbindet sie Jazz, Soul und elektronische Elemente zu einem einzigartigen Sound. 2025 wurde sie mit dem Deutschen Jazzpreis in der Kategorie »Vocal« ausgezeichnet. Ihre Produktionen zeichnen sich durch künstlerische Eigenständigkeit, emotionale Tiefe und musikalische Experimentierfreude aus. Als unabhängige Produzentin geht sie konsequent ihren eigenen Weg – und steht exemplarisch für eine neue Generation von Musiker*innen, die sich kreativ und strukturell emanzipieren.
Musik und Party versteht Sherin Striewe aka sherryaeri als zutiefst politisch. Sherin ist im Vorstand von Music Women* Germany und setzt sich dafür ein, Künstler*innen und Genres eine Bühne zu bieten, die bislang nicht die Aufmerksamkeit erhalten, die sie verdienen – und verbindet diese mit arabischen Klängen.
Sherryaeri bezeichnet sich selbst als »genrefluid« und nimmt uns mit auf eine Reise durch vielfältige Musikrichtungen – darunter Rap Edits, Jersey Club, Baile Funk und Electro Chaabi. Mit deren Sets schafft sherryaeri ein Gefühl von Zugehörigkeit und feiert unsere vielschichtigen Realitäten. Sherin hat bereits international das Publikum begeistert – etwa beim Splash Festival, im Club Yu Yu in Mexico City oder bei renommierten Events wie dem Boiler Room. Eines ist klar: sherryaeris Sounds laden zum Booty shaken ein – zum Stressabbau und zum Loslassen des Drucks, den kapitalistische, patriarchale und weiße Vorherrschaft ausüben.