Culk (Foto: Antonia Mayer)
Culk (Foto: Antonia Mayer)
Samstag, 28.8.2021

Culk

Sophie Löw zeigt, was Sprache kann – im Guten wie im Schlechten. »Dichterin«, der vierte Song ihres zweiten Albums ihrer Band Culk, liefert das wohl beste Beispiel dafür: Darin setzt sich die Songwriterin mit denen aus dem Gebrauch des ach-so-generischen Maskulinums resultierenden Fremdzuschreibungen und -festsetzungen auseinander, indem sie die sprachlichen Logiken dahinter zerlegt und neu zusammenbaut: »Ich bin kein Dichter / Doch ich schreibe Gedichte / Du bist kein Richter / Und denkst du kannst richten über mich / Vergiss mein nicht, vergiss mein nicht«. Was sich nach dekonstruktivem Hochleistungssport anhört, klingt auf der LP »Zerstreuen über euch« genauso aufbauend wie niedrigschwellig. Denn wie die Sprache nicht am Gefühlszentrum vorbeikommt, tut es auch der ebenso sphärische wie trockene, spartanische und doch emotional aufgeladene Post-Punk der Wiener Gruppe nicht. Sondern nimmt direkt Kurs darauf.

Culk (Foto: Antonia Mayer)
Culk (Foto: Antonia Mayer)