Albertine Sarges (Foto: Steffi Rettinger)
Albertine Sarges (Foto: Steffi Rettinger)
Mittwoch, 25.8.2021

Albertine Sarges

Diesseits von Scritti Politti fangen nur wenige Alben mit funkigen Tönen und Reflektionen über den Status Quo akademischer Theorien an, »The Sticky Fingers« aber ist genau so eine Platte. Albertine Sarges war eine umtriebige Live-Musikerin, die regelmäßig mit Kat Frankie und Holly Herndon die Bühne teilte und die zuvor als Ossi Viola gemeinsam mit Lo Selbo unter dem Namen Itaca den Sounds von Italo Disco eine Frischzellenkur verpasst hatte. Mit der Pandemie kam die Arbeits-, nicht aber die Orientierungslosigkeit: Während andere ihre Sauerteigbrotbackfertigkeiten vertieften, werkelte Sarges stattdessen an ihrem Debütalbum, das auf ihrer Arbeit mit ihrer Band basiert, welche der LP ihren Titel leiht. »The Sticky Fingers« zitiert neben der intersektionalen Theoretikerin Sara Ahmed auch die Talking Heads, bringt wirbelnde Rock-Rhythmen mit Flöten und sehnsüchtigen Streichern zusammen. Da steckt viel drin und so klingt es auch – nie aber nach bräsigem Proseminar, sondern nach gelebter Popmoderne.

Albertine Sarges (Foto: Steffi Rettinger)
Albertine Sarges (Foto: Steffi Rettinger)