„A moment of sheer rock’n’roll poetry…“

Interview mit Paul Kelly, Regisseur von Kurt’s Lighter, und Scott King, der Mann der das Feuerzeug fing.

Paul, why did you want to create this documentary?

Paul Kelly: I’ve been involved with music all my life, both by being in bands (East Village, Saint Etienne etc) then later by making promos and more recently feature films, all about music. I didn’t really know Scott – but we have some mutual friends – so I knew that he owned the Kurt Lighter and I knew the story of how he acquired it; so when I was approached to make a film about this incredible story, I leapt at the chance.

Paul, what do you think about how the extraordinary event of catching »Kurt’s Lighter«  shaped Scott King‘s entire adult life? And has making this film changed your life in anyway?

Paul Kelly: I think it’s amazing. A moment of sheer rock’n’roll poetry, if that’s not too much of  a pretentious thing to say? I’ve attended – and played – many gigs but I’ve never seen or heard of anything like this. Of course, you meet people who might have caught, I don’t know, a drum stick that’s been tossed into the audience by the drummer from Placebo or Green Day or someone – but to actually have Kurt Cobain throw his lighter straight at you and to catch it so effortlessly – THEN – for that moment to actually have an effect on your whole personality, is really quite extraordinary. Making this film has not re-shaped my life in anyway, no.

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Scott, can you tell us a bit more about your ‘semi-spiritual experience’ on November 11, 1989? What was it like?

Scott King: When it actually happened – when the lighter landed in the palm of my hand after Kurt had tossed it into the crowd – it seemed like the most natural thing in the world. I’ve thought about this a lot over the years, and I think the reason it seemed so natural was because this had happened to me once before. When I was 9 years old – Christmas 1979 – my parents took me to the Theatre Royal in York to see Dick Whittington – a pantomime. I was sitting high up on the balcony and the young woman playing Dick began to toss bags of sweets out to all the kids in the audience. All the kids were going crazy, running around, fighting over these bags of sweets that Dick was throwing towards us. Similarly to the Kurt situation, I did not move, I remained seated, but a bag of Rowntrees Tooty Frooties landed right in my lap. The other kids had no chance of grabbing them, these sweets had been thrown straight at me, almost as if Dick Whittington had picked me out of the audience and decided that I was a deserved recipient of a bag of Rowntrees Tooty Frooties. Strangely, I realised later, that the Kurt Cobain incident happened almost 10 years to the month after the Dick Whittington incident.

Scott, from your point of view: how was Berlin like in 1989 and what were the biggest changes in terms of pop culture until today?

Scott King: I only have very hazy memories of Berlin in 1989. I really can’t remember much about it. I remember the Nirvana gig as if it were yesterday, but the rest is something of a blur. Though, I do remember that the Berlin Wall came down while I was there. Pop culture has changed dramatically since 1989. It’s much more corporate now.


We are on fire!

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Haben Sie auch ein verschwitztes Handtuch daheim? Ein Plektrum oder einen angebrochenen Drumstick? >Vielleicht sogar ein Schnapsglas oder einen Currywurstdreizack von Frank Zander? Oder sind Sie mehr an Sidos und Bushidos leeren Sprühdosen interessiert?

Es war der 11. November 1989, als in Berlin die Mauer fiel. Aber nicht nur die: In Schöneberg spielten die damals noch kaum bekannten Nirvana ihr erstes Berlin-Konzert und Kurt Cobains Feuerzeug fiel dem jungen Briten Scott King in die Hände. Der Funken sprang über. Eine »semi-spirituelle Erfahrung« sei das für ihn gewesen, sagt der heute weltbekannte Grafiker. Doch bei einem Feuerzeug blieb es nicht … Gemeinsam mit Paul Kelly hat King nun einen ganzen Film über seine Sammelleidenschaft und die unglaubliche Geschichte dieses Kleinods gedreht: »Kurt’s Lighter« ist ab sofort auf www.pop-kultur.berlin/2019 exklusiv in voller Länge zu sehen.

Nun haben wir die Sache aber natürlich für Sie von vorne bis hinten zu Ende gedacht: Damit auch Sie neue Memorabilia, Glücksmomente und Erinnerungen sammeln können, veranstalten wir vom 31. August bis 1. September ja schließlich unser Pop-Kultur Festival in Berlin-Neukölln. Und auch dafür haben wir große Neuigkeiten: Am 9. Mai startet der Vorverkauf für die Veranstaltungen im SchwuZ, Huxleys Neue Welt, Passage Kino, Keller und Prachtwerk.

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Falls Sie jetzt sagen: Toll, aber wir kennen uns doch gar nicht (oder nur ein Jahr), wie soll ich Ihnen da vertrauen?! Auch daran haben wir gedacht. Während das ganze Programm am 9. Mai veröffentlicht wird, hier schon einmal ein paar erste Höhepunkte. Wie immer erwarten Sie zahlreiche Premieren und eine Mischung aus Konzerten, Filmen, Lesungen und Talks:

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Selda Bağcan ist für viele Menschen nicht einfach eine der großen Stimmen der anatolischen Psych-Rock-Musik, sie ist die große Stimme. Wer sie in kristallener Klarheit einmal tönen hört, dem schreibt sie sich sofort in die Seele ein. Pop-Kultur bringt die meinungsstarke Legende und Lieblingssängerin von u.a. Anohni (Antony Hegarty) und Elijah Wood zusammen mit der Band Boom Pam wieder nach Berlin. Das junge Schwesterntrio A-Wa, wie Boom Pam aus Israel, ist nicht wegen ihres Hits »Habib Galbi« gerade auf dem Weg, über alle Grenzen hinweg ein globales Pop-Phänomen zu werden. Bei uns präsentieren die Erben von Ofra Haza erstmals in Deutschland neues Material live.

Eine ganze Reisegruppe aus New York wird ebenfalls in Erscheinung treten: Punk-Ikone Richard Hell (»Blank Generation«) liest aus seiner Autobiografie; der wortgewaltige bitterböse Poet und Performer Zebra Katz voguet über die Bühne; die nimmermüde, unglaubliche Frankie Cosmos gibt der Generation-Y eine Stimme.

Mit dem Experimental-Loop-Pop Your Friend, der Soul-Gospel-Punk-Explosion der Algiers und der gewaltigen Stimme von Zola Jesus geht es an die Westküste: Hinter SassyBlack aus Seattle steckt Catherine »Cat« Harris-White; eine Hälfte des grandios talentierten Duos THEESatisfaction. Sie teilt ihren Achterbahnerfahrungsschatz in puncto Dating als schwarze queere Frau im modernen Amerika mit uns und legt zusätzlich auch auf.

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Neu in Berlin wiederum—allerdings über den Umweg New York—ist die geniale Produzentin Fatima Al Qadiri, die jüngst ein packendes elektronisches Konzeptalbum über Demonstrationsfreiheit und Polizeigewalt vorgelegt hat und sich in ihrem DJ-Set dem globalen Bass-Continuum widmen wird. Nicht weniger engagiert und begeisternd ist die Hamburger Band Trümmer, die ebenfalls die Songs eines neuen Albums mitbringen.

Ganz besonders freuen wir uns zudem, den Auftritt der algerischen Band Imarhan ankündigen zu dürfen. Die Tuareg öffnen den Assouf, den Blues ihres Volkes, behutsam Pop- und westafrikanischen Rhythmen. Bei Pop-Kultur stellen sie ihr Debütalbum erstmals in einem großen Festivalrahmen vor.

Aus Großbritannien beehren uns derweil neben Cat’s Eyes (Klassik trifft auf John Carpenter, Oper auf 60s Proto Pop) und der neuen Mute-Records-Band Luh — beide mit den Deutschlandpremieren ihrer neuen Alben — auch Immersion, die gemeinsame Band von Wire’s Colin Newman und Malka Spigel. Nach neun Jahren Pause hat das Paar wieder frische himmlische Ambient-Drone-Musik aufgenommen. Newman nimmt zudem an einem Talk teil.

Im Rahmen von Pop-Kultur wird Musik aber nicht nur gespielt, sondern auch live gelesen: Der große Matthew Herbert kehrt nach seinem Vierfacheinsatz bei unserer ersten Festivalausgabe mit seinem neuen Album »A NUDE (the perfect body)« zurück. Dieses erscheint allerdings nicht als Tonträger, sondern als Prosa, die Herbert himself vortragen wird. Eine anregende Erfahrung! Ebenso wie das der Abend mit der Shock-Schüttel’n’Rüttel-Band Liars, die zum ersten Mal ihren Soundtrack zum Film »1/1« live spielen wird—und darüber hinaus an einem Talk teilnimmt.

Brandt Brauer Frick

Eine Vielzahl lokaler Größen und Talente werden Berlin zudem während der drei Festivaltage repräsentieren: Das Analog-Electronica-Trio Brandt Brauer Frick bietet die Uraufführung eines neuen Albums dar; Keøma, die neue Band von Kat Frankie, tritt auf; bissig-melodischer Washed-out-Punk kommt von DIÄT. Der für die Aufnahmen seines Debüts extra von Köln nach Berlin verzogene, international bereits sehr geschätzte und erfahrene Roosevelt stellt ebenfalls erstmals seinen neuesten großen Pop-Wurf vor.

Für viele dieser Konzerte hat Pop-Kultur mit Firmen aus der Berliner Szene, wie City Slang, Landstreicher, Melt! Booking oder Powerline eng zusammengearbeitet.

So. Das war jetzt schon mal allerhand, oder? Also, der Übersicht halber, hier nochmals alle Namen alphabetisch sortiert:

Algiers, A-Wa, Brandt Brauer Frick, Cat’s Eyes, Diät, Fatima Al Qadiri, Frankie Cosmos, Imarhan, Immersion, Keøma, Liars, Luh, Matthew Herbert, Richard Hell, Roosevelt, SassyBlack, Selda Bağcan ft. Boom Pam, Trümmer, Your Friend, Zebra Katz, Zola Jesus

Wir freuen uns auf Sie! Für genug Feuer(zeuge) und Currywurstdreizacke (Nur auf Wunsch—bitte schreiben Sie uns vorher eine Mail!) wird gesorgt! Und nicht vergessen: Bereits am 30. August im Admiralspalast geben Mogwai in einer exklusiven Pop-Kultur-Preview erstmals überhaupt ihr Filmkonzert »Atomic«!

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