03/08/2020

10 Fragen mit… Theodora

Mit unserer Interview-Serie »10 Fragen mit…« möchten wir euch eine Reihe von Acts aus dem diesjährigen Programm von Pop-Kultur vorstellen, die unbedingt einen Platz in euren Playlists und Herzen verdient haben. Nach SADO OPERA, MADANII & LLUCID, Mueran Humanos, Eat Lipstick, Super Besse und 24/7 Diva Heaven antwortet uns heute Theodora.

  1. Dein Hauptinstrument ist der Bass. Wann hast du angefangen, Bass zu spielen und wie kam es dazu?

Ich spiele Bass, seitdem ich dreizehn Jahre alt bin. Ich hörte damals schon eine Menge Rockmusik und mein Bruder hatte gerade angefangen, Gitarre zu lernen. Auf eine Art wollte ich genauso cool sein wie er, nur in anderer Weise, weshalb ich mir einen Bass kaufte und mit dem Spielen anfing!

  1. Welche Rolle spielt das Instrument in deinem Songwriting-Prozess?

Kommt ganz darauf an. Einen Song fange ich auf zwei verschiedene Arten an zu komponieren: Entweder finde ich eine Akkordfolge und den Anfang einer Melodie auf dem Synthesizer oder aber ich starte mit einer Rhythmus- und Basssequenz und füge die Akkorde hinzu. In beiden Fällen aber ist der Bass ein Schlüsselelement, weil ich mich immer darauf konzentriere, was er einem Song hinzufügt.

  1. In jüngster Zeit ist deine Musik sehr Dancefloor-orientiert gewesen. Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich habe immer schon viel Techno, Italo Disco und House Music gehört und ich verfolge sehr aufmerksam, wie Musik bouncy und tanzbar wird. So habe ich angefangen, Songs wie »Bastante« oder »Get Obsessional« zu schreiben. Meine Inspiration kommt aus verschiedenen Zeiten und Stilen – ich liebe Kram aus den siebziger und achtziger Jahren wie etwa ESG, Giorgio Moroder oder Material aus den Neunzigern wie Green Velvet, Raze und düstere Sachen wie beispielsweise Röyksopp, TR/ST.

  1. Dein Projekt für Pop-Kultur ist in einer sehr speziellen Umgebung angesiedelt. Was kannst du uns über den Ort erzählen, an dem ihr gedreht habt?

Das Video haben wir in einem Club namens Le Petit Palace aufgenommen. In den Achtzigern war der Club Le Palace ein sehr bekannter Treffpunkt für Nachteulen. Über die Jahre wurde er sehr legendär! Dann aber schloss er und Le Petit Palace befindet sich direkt unter dem alten Club. Marco Dos Santos, der Regisseur des Videos, ist ein Resident-DJ im Petit Palace und dachte, dass es der perfekte Ort wäre, um dort »I Tried« aufzuzeichnen, weil die altmodische Atmosphäre dort perfekt zum Lied passt.

  1. Worum geht es in »I Tried«?

»I Tried« ist ein Liebeslied, aber auch ein Trennungssong. Wie eine Beschwörungsformel spricht er von den Bemühungen und Verfehlungen in einer Beziehung. Voller Nostalgie, befleckt mit Reue, hat der Song eine Energie, die nach vorne treibt und Veränderungen in der Handlungsweise zum Ausdruck bringt.

  1. »I Tried« wird auf deinem kommenden Album zu hören sein. Was kannst du uns schon über die Platte erzählen?

Die Platte heißt »Too Much For One Heart« und ist meine Debüt-LP. Auf eine Art ist sie eine Chronik meines Lebens zwischen meinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr. Die Texte sind sehr introspektiv, aber ich wollte einen lebendigen und rhythmischen Sound. Weshalb ich für das Album auf ein Gefühl der tanzbaren Melancholie abgezielt habe. Veröffentlicht wird es im Frühjahr 2021!

  1. Deine letzte Single »Bastante« ist ein Sommersong, den du auf Italienisch singst. Was war die Idee hinter dem Stück?

Mit »Bastante« wollte ich Italo Disco auf meine eigene Weise neu interpretieren, House-Rhythmen mit Arpeggiatoren und Schichten zusammenbringen, die ich auf einem Prophet-Synthesizer eingespielt habe. Mir gefällt italienische Musik und die italienische Sprache, die ich auch gelernt habe, weshalb ich Melisande Labrande, eine meiner besten Freund*innen, mit der ich mehrfach in Italien war, Lyrics für mich zu schreiben. Ich habe mir eine kitschige Dance-Party im italienischen Sommer vorgestellt, eine Atmosphäre, die ähnliche Bilder hervorruft wie der Film »Call Me by Your Name« von Luca Guadagnino.

  1. Die italienische Kultur, allem voran die Krimiromane und –filme, die gemeinhin als »gialli« bezeichnet werden, spielen auch eine Rolle in deinem gemeinsamen Song »Lien de sang« mit Mila Dietrich. Was ist die Geschichte hinter dem Lied?

Letzten Sommer schickte mir Mila Dietrich ein Instrumental und fragte mich, ob ich nicht darüber singen wollte. Ich meinte zu ihr, dass es eine sehr dramatische Spannung hätte, die mich an einige Giallo-Soundtracks erinnerte, was mir unheimlich gut gefällt. Ich stellte mir eine Geschichte vor, die der Plot eines solchen Films sein könnte, ein Erotikthriller, in dem Liebe, Blut und Schauder zusammenkommen! Ihr gefiel das und so kam es, dass wir zusammengearbeitet haben.

  1. Im Allgemeinen singst du aber auf Englisch. Warum eigentlich?

Zugegebenermaßen gefällt es mir, auf Englisch zu schreiben; warum, weiß ich gar nicht. Aber es fühlt sich sehr organisch an, obwohl ich nicht bilingual bin. Ich liebe die evokative Kraft der englischen Sprache, ihre Polysemie.

  1. Was wünschst du dir für die Zukunft dieser Welt?

Das ist eine Frage, die mich gerade umtreibt. Ich denke, wir fragen uns dieser Tage alle, was wir tun können, wie wir unser Leben ändern könnten, weil viele Sicherheiten zusammengebrochen sind und das weiterhin tun. Es ist eine interessante Zeit, um sich neue Lebensweisen vorzustellen, zu versuchen, die alte Welt hinter uns zu lassen, alte Gewohnheiten, all die Dinge, die wir für notwendig erachtet haben. Ich wünsche mir ein globales Bewusstsein dafür, und ich wünsche mir, dass Kunst sich weiter ausbreitet, mehr und mehr Raum einnimmt, weil es eine Art des Hoffens ist, des Träumens.

Theodora (Foto: Clément Vayssières)

Theodora (Foto: Clément Vayssières)

Mit unserer Interview-Serie »10 Fragen mit…« möchten wir euch eine Reihe von Acts aus dem diesjährigen Programm von Pop-Kultur vorstellen, die unbedingt einen Platz in euren Playlists und Herzen verdient haben. Nach SADO OPERA, MADANII & LLUCID, Mueran Humanos, Eat Lipstick, Super Besse und 24/7 Diva Heaven antwortet uns heute Theodora.

  1. Dein Hauptinstrument ist der Bass. Wann hast du angefangen, Bass zu spielen und wie kam es dazu?

Ich spiele Bass, seitdem ich dreizehn Jahre alt bin. Ich hörte damals schon eine Menge Rockmusik und mein Bruder hatte gerade angefangen, Gitarre zu lernen. Auf eine Art wollte ich genauso cool sein wie er, nur in anderer Weise, weshalb ich mir einen Bass kaufte und mit dem Spielen anfing!

  1. Welche Rolle spielt das Instrument in deinem Songwriting-Prozess?

Kommt ganz darauf an. Einen Song fange ich auf zwei verschiedene Arten an zu komponieren: Entweder finde ich eine Akkordfolge und den Anfang einer Melodie auf dem Synthesizer oder aber ich starte mit einer Rhythmus- und Basssequenz und füge die Akkorde hinzu. In beiden Fällen aber ist der Bass ein Schlüsselelement, weil ich mich immer darauf konzentriere, was er einem Song hinzufügt.

  1. In jüngster Zeit ist deine Musik sehr Dancefloor-orientiert gewesen. Woher nimmst du deine Inspiration?

Ich habe immer schon viel Techno, Italo Disco und House Music gehört und ich verfolge sehr aufmerksam, wie Musik bouncy und tanzbar wird. So habe ich angefangen, Songs wie »Bastante« oder »Get Obsessional« zu schreiben. Meine Inspiration kommt aus verschiedenen Zeiten und Stilen – ich liebe Kram aus den siebziger und achtziger Jahren wie etwa ESG, Giorgio Moroder oder Material aus den Neunzigern wie Green Velvet, Raze und düstere Sachen wie beispielsweise Röyksopp, TR/ST.

  1. Dein Projekt für Pop-Kultur ist in einer sehr speziellen Umgebung angesiedelt. Was kannst du uns über den Ort erzählen, an dem ihr gedreht habt?

Das Video haben wir in einem Club namens Le Petit Palace aufgenommen. In den Achtzigern war der Club Le Palace ein sehr bekannter Treffpunkt für Nachteulen. Über die Jahre wurde er sehr legendär! Dann aber schloss er und Le Petit Palace befindet sich direkt unter dem alten Club. Marco Dos Santos, der Regisseur des Videos, ist ein Resident-DJ im Petit Palace und dachte, dass es der perfekte Ort wäre, um dort »I Tried« aufzuzeichnen, weil die altmodische Atmosphäre dort perfekt zum Lied passt.

  1. Worum geht es in »I Tried«?

»I Tried« ist ein Liebeslied, aber auch ein Trennungssong. Wie eine Beschwörungsformel spricht er von den Bemühungen und Verfehlungen in einer Beziehung. Voller Nostalgie, befleckt mit Reue, hat der Song eine Energie, die nach vorne treibt und Veränderungen in der Handlungsweise zum Ausdruck bringt.

  1. »I Tried« wird auf deinem kommenden Album zu hören sein. Was kannst du uns schon über die Platte erzählen?

Die Platte heißt »Too Much For One Heart« und ist meine Debüt-LP. Auf eine Art ist sie eine Chronik meines Lebens zwischen meinem zwanzigsten und dreißigsten Lebensjahr. Die Texte sind sehr introspektiv, aber ich wollte einen lebendigen und rhythmischen Sound. Weshalb ich für das Album auf ein Gefühl der tanzbaren Melancholie abgezielt habe. Veröffentlicht wird es im Frühjahr 2021!

  1. Deine letzte Single »Bastante« ist ein Sommersong, den du auf Italienisch singst. Was war die Idee hinter dem Stück?

Mit »Bastante« wollte ich Italo Disco auf meine eigene Weise neu interpretieren, House-Rhythmen mit Arpeggiatoren und Schichten zusammenbringen, die ich auf einem Prophet-Synthesizer eingespielt habe. Mir gefällt italienische Musik und die italienische Sprache, die ich auch gelernt habe, weshalb ich Melisande Labrande, eine meiner besten Freund*innen, mit der ich mehrfach in Italien war, Lyrics für mich zu schreiben. Ich habe mir eine kitschige Dance-Party im italienischen Sommer vorgestellt, eine Atmosphäre, die ähnliche Bilder hervorruft wie der Film »Call Me by Your Name« von Luca Guadagnino.

  1. Die italienische Kultur, allem voran die Krimiromane und –filme, die gemeinhin als »gialli« bezeichnet werden, spielen auch eine Rolle in deinem gemeinsamen Song »Lien de sang« mit Mila Dietrich. Was ist die Geschichte hinter dem Lied?

Letzten Sommer schickte mir Mila Dietrich ein Instrumental und fragte mich, ob ich nicht darüber singen wollte. Ich meinte zu ihr, dass es eine sehr dramatische Spannung hätte, die mich an einige Giallo-Soundtracks erinnerte, was mir unheimlich gut gefällt. Ich stellte mir eine Geschichte vor, die der Plot eines solchen Films sein könnte, ein Erotikthriller, in dem Liebe, Blut und Schauder zusammenkommen! Ihr gefiel das und so kam es, dass wir zusammengearbeitet haben.

  1. Im Allgemeinen singst du aber auf Englisch. Warum eigentlich?

Zugegebenermaßen gefällt es mir, auf Englisch zu schreiben; warum, weiß ich gar nicht. Aber es fühlt sich sehr organisch an, obwohl ich nicht bilingual bin. Ich liebe die evokative Kraft der englischen Sprache, ihre Polysemie.

  1. Was wünschst du dir für die Zukunft dieser Welt?

Das ist eine Frage, die mich gerade umtreibt. Ich denke, wir fragen uns dieser Tage alle, was wir tun können, wie wir unser Leben ändern könnten, weil viele Sicherheiten zusammengebrochen sind und das weiterhin tun. Es ist eine interessante Zeit, um sich neue Lebensweisen vorzustellen, zu versuchen, die alte Welt hinter uns zu lassen, alte Gewohnheiten, all die Dinge, die wir für notwendig erachtet haben. Ich wünsche mir ein globales Bewusstsein dafür, und ich wünsche mir, dass Kunst sich weiter ausbreitet, mehr und mehr Raum einnimmt, weil es eine Art des Hoffens ist, des Träumens.