10/08/2020

10 Fragen mit… Eden Derso

Mit unserer Interview-Serie »10 Fragen mit…« möchten wir euch eine Reihe von Acts aus dem diesjährigen Programm von Pop-Kultur vorstellen, die unbedingt einen Platz in euren Playlists und Herzen verdient haben. Nach SADO OPERA, MADANII & LLUCID, Mueran Humanos, Eat Lipstick, Super Besse, 24/7 Diva Heaven und Theodora ist heute Eden Derso an der Reihe.

  1. 2Pac gehört zu deinen wichtigsten Einflüssen, ein Poster von ihm ist sogar in deinem letzten Musikvideo zu sehen. Wie hast du seine Musik kennengelernt und was macht ihn so wichtig für dich?

Das ist eigentlich A$AP Rocky alias Bae! In meiner Nachbarschaft war es unmöglich, die ganzen Graffiti zu ignorieren, die Tupacs Namen gewürdigt haben, seine Musik schallte noch lange nach seinem Tod laut durch die Straßen, und wir verliehen den härtesten Leuten vom Block sogar seinen Namen als Spitznamen. Ich denke, er lieferte uns ein Beispiel dafür, wie es sich unumwunden ehrlich sein lässt und was es heißt, für sich selbst einzustehen. In Israel gibt es das Vorurteil, dass die alten Äthiopier*innen nett und schwächlich sind und dass die Youngsters eine Gefahr für alle anderen darstellen, weshalb sie rassistisch diskriminiert werden. Tupac ließ mich glauben, dass ich, wenn ich meine Wahrheit nur laut genug ausspreche, ich Vorurteilen und Spekulationen über meinen Charakter und meine Absichten keinen Raum lassen würde.

  1. Du hast dich einmal als jüngste Rapperin Israels bezeichnet. Wann hast du angefangen, zu reimen?

Ich habe zuerst nur gesungen, aber jedes Mädchen in meiner Stadt sang damals, weshalb ich im Alter von acht Jahren mit dem Schreiben von Songs anfing. Mit elf oder zwölf Jahren dann habe ich angefangen, zu reimen, damals war Lil‘ Wayne wie ein Messias für mich – und ist das immer noch – und meine Brüder waren verrückt nach ihm. Sein Reimstil, seine Wortspiele und sogar seine Stimme waren die Hauptgründe für mich, wegen denen ich versuchen musste, selbst zu schreiben und meinen inneren Weezy zu entdecken.

  1. Du rappst und singst auf Hebräisch. Was bedeutet es für dich, diese Sprache zu verwenden, nachdem du deine Parts zuvor auf Englisch geschrieben hast?

Darüber habe ich in diesem Jahr viel nachgedacht, und mir wurde klar, dass ich auf Englisch geschrieben habe, weil ich von hier weg wollte. Ich hatte das Gefühl, dass mein Talent in Israel übersehen würde, weil es keine äthiopischen Popstars gab, unsere Kultur nicht in dem Maße gefeiert wurde wie ich das in Hinsicht auf Schwarze Kultur in Nordamerika gesehen habe. Von dem Moment an, in dem mein Selbstvertrauen und mein Talent sich zu entfalten begannen, spürte ich, dass ich der äthiopische Star sein könnte, der andere dazu bringen würde, selbst ins Rampenlicht treten zu wollen, jemand, der unsere Kultur hochhält.  Auf Hebräisch schreibe ich mittlerweile sehr frei, verwende meinen eigenen Slang und entschuldige mich nicht dafür. Auf Spanisch zu schreiben macht mir auch jede Menge Spaß. Sprachen machen ziemlich viel Laune solange du weißt, was genau du mit ihnen zum Ausdruck bringen willst.

 Der israelische Rapper Ravid Plotnik war extrem wichtig darin, dir das Potenzial der hebräischen Sprache für Rap-Musik aufzuzeigen. Was hat seine Lyrics für dich so besonders gemacht?

Ravid war der erste Rapper, den ich gehört habe, der seinen eigenen Slang hatte, der wirklich cool und nicht total übertrieben war. Er hatte eine echte Energie und eine Menge Respekt für die Stadt, aus der er kam. In Israel ist Tel Aviv die Stadt, die in Hip-Hop-Bars am meisten erwähnt wird, weshalb es erfrischend war, dass jemand sich dafür entschied, dass seine Stadt die eigentlich Hauptstadt des Raps war. Ich will das für Rehovot, für Kiryat Moshe leisten.

  1. Du sprichst sehr offen darüber, wie männerdominiert die regionale Szene ist. Was sind gute neue Rapperin, die wir auf dem Radar haben sollten?

Ehrlich gesagt immer noch dieselben Namen wie seit meinen Anfangstagen: Sima Noon, Echo und ich. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr einige jüngere Mädchen mit tierischen Skills sehen werden. Ich interessiere mich sehr dafür, was diese Generation zu sagen hat, ich glaube, dass viele Stimmen noch ungehört sind, weil diese junge Generation sehr gut darin ist, seine Absichten hinter Social Media zu verstecken. Ich wünsche mir, dass uns COVID-19 einige neue Rapper*innen schenkt, die während der Quarantänezeit entdeckt wurden.

  1. Dein Debütalbum hieß »Keter Shakuf«, was übersetzt so viel wie »transparente Krone« bedeutet. Was bedeutet der Titel?

Der Titel »Keter Shakuf« hat sehr viele Bedeutungen für mich. Um mal die Hauptbedeutung aufzugreifen: Es handelt sich um Weckruf an mich und meine Ladys. Malcolm X hat einst gesagt, dass die am wenigsten respektierte, ungeschützteste und vernachlässigste Person in Nordamerika die Schwarze Frau ist und obwohl das vor vielen Jahren und in einem anderen Land gesagt wurde, scheint es mir irrsinnig, wie relevant die Aussage weiterhin bleibt. Ich will nicht, dass uns irgendwer beschützt, vielmehr möchte ich ihren Blick auf uns verändern, indem ich meine Haut, meine Schwestern preise. Zuerst müssen wir verändern, wie sie uns dazu gebracht haben, uns selbst wahrzunehmen, und dann müssen wir unsere Leben und Möglichkeiten verändern. Königinnen sollten wie Königinnen behandelt werden.

  1. Was charakterisiert deinen Arbeitsprozess mit DJ Mesh?

Der Arbeitsprozess von DJ Mesh und mir ist meistens ziemlich flott und intim, wir haben uns trotz des Altersunterschieds sehr gut angefreundet. Ich habe zum ersten Mal überhaupt so viel Zeit in einem Studio bei der Arbeit an einem Projekt verbracht, aber Meshs Anwesenheit und die Lektionen, die er mir auf die Reise mitgegeben hat, waren dermaßen zündend für mich, dass ich unbedingt am Ball bleiben und von einem von Tel Avivs Hip-Hop-G.O.A.T.s lernen wollte.

  1. Ihr habt auch an deinem neuen Album gearbeitet. Was kannst du uns darüber erzählen?

Das neue Album entstand in Kollaboration mit vielen verschiedenen Produzent*innen, wie etwa auf dem Song »Tamid«, der von CohenBeats produziert wurde, oder »Hakul Huz Me Halev«, der von Hefner produziert wurde. Ich habe das Gefühl, dass meine Stimme eine andere ist, sie war viel wütender, was schätze ich daran liegt, dass ich mich beweisen wollte und das ist absolut nichts Schlimmes. Aber ich bin jetzt 22 Jahre alt und werde bald 23 und möchte im Hier und Jetzt meine Ideen zum Ausdruck bringen. Das Album wollte ich als Ansammlung von Gedanken einer jungen Schwarzen Frau aus dieser Generation von äthiopischen Jüd*innen aus Israel anlegen. Es scheint mir, als wären wir viel frecher und selbstbewusster und ich würde liebend gerne die Hymnen für all jene in unserer Gesellschaft und anderswo beisteuern, die genauso fühlen.

  1. Und was können wir von deinem Projekt für Pop-Kultur erwarten?

Was ihr von meinem Projekt für Pop-Kultur erwarten könnt ist Power, unendliche Power. Nichts hat mehr Power als zu sagen, dass du nicht aufgibst und stattdessen dafür kämpfst, an Ort und Stelle zu bleiben. Der laufende Krieg zwischen der Regierung meines Landes und der Öffentlichkeit während der Pandemie lässt alle verzweifelt, alle suchen händeringend nach Arbeit und viele Menschen mussten ihre Geschäfte wegen finanzieller Probleme schließen. Aber meine Freund*innen aus der Musikszene denken niemals ans Aufgeben, obwohl sie sich alle abmühen, während sie neue Musik machen und veröffentlichen. Kunst lässt sich weder von Geld noch einer Regierung, die keine Notwendigkeit in ihrer Förderung sieht, aufhalten oder kontrollieren. Deshalb habe ich den Song »Tamid« für das Projekt ausgewählt.

  1. Was wünschst du dir für die Zukunft dieser Welt?

Ich wünsche mir, dass diese Welt jedes Wesen anerkennt, sie alle mit Geduld behandelt und nicht denjenigen Macht gibt, sie nicht weise damit umgehen können oder sollten. Ich hoffe, dass wir einer gesünderen Zukunft entgegenblicken.

DJ Mesh & Eden Derso (Foto: Tamir Moosh)

DJ Mesh & Eden Derso (Foto: Tamir Moosh)

Mit unserer Interview-Serie »10 Fragen mit…« möchten wir euch eine Reihe von Acts aus dem diesjährigen Programm von Pop-Kultur vorstellen, die unbedingt einen Platz in euren Playlists und Herzen verdient haben. Nach SADO OPERA, MADANII & LLUCID, Mueran Humanos, Eat Lipstick, Super Besse, 24/7 Diva Heaven und Theodora ist heute Eden Derso an der Reihe.

  1. 2Pac gehört zu deinen wichtigsten Einflüssen, ein Poster von ihm ist sogar in deinem letzten Musikvideo zu sehen. Wie hast du seine Musik kennengelernt und was macht ihn so wichtig für dich?

Das ist eigentlich A$AP Rocky alias Bae! In meiner Nachbarschaft war es unmöglich, die ganzen Graffiti zu ignorieren, die Tupacs Namen gewürdigt haben, seine Musik schallte noch lange nach seinem Tod laut durch die Straßen, und wir verliehen den härtesten Leuten vom Block sogar seinen Namen als Spitznamen. Ich denke, er lieferte uns ein Beispiel dafür, wie es sich unumwunden ehrlich sein lässt und was es heißt, für sich selbst einzustehen. In Israel gibt es das Vorurteil, dass die alten Äthiopier*innen nett und schwächlich sind und dass die Youngsters eine Gefahr für alle anderen darstellen, weshalb sie rassistisch diskriminiert werden. Tupac ließ mich glauben, dass ich, wenn ich meine Wahrheit nur laut genug ausspreche, ich Vorurteilen und Spekulationen über meinen Charakter und meine Absichten keinen Raum lassen würde.

  1. Du hast dich einmal als jüngste Rapperin Israels bezeichnet. Wann hast du angefangen, zu reimen?

Ich habe zuerst nur gesungen, aber jedes Mädchen in meiner Stadt sang damals, weshalb ich im Alter von acht Jahren mit dem Schreiben von Songs anfing. Mit elf oder zwölf Jahren dann habe ich angefangen, zu reimen, damals war Lil‘ Wayne wie ein Messias für mich – und ist das immer noch – und meine Brüder waren verrückt nach ihm. Sein Reimstil, seine Wortspiele und sogar seine Stimme waren die Hauptgründe für mich, wegen denen ich versuchen musste, selbst zu schreiben und meinen inneren Weezy zu entdecken.

  1. Du rappst und singst auf Hebräisch. Was bedeutet es für dich, diese Sprache zu verwenden, nachdem du deine Parts zuvor auf Englisch geschrieben hast?

Darüber habe ich in diesem Jahr viel nachgedacht, und mir wurde klar, dass ich auf Englisch geschrieben habe, weil ich von hier weg wollte. Ich hatte das Gefühl, dass mein Talent in Israel übersehen würde, weil es keine äthiopischen Popstars gab, unsere Kultur nicht in dem Maße gefeiert wurde wie ich das in Hinsicht auf Schwarze Kultur in Nordamerika gesehen habe. Von dem Moment an, in dem mein Selbstvertrauen und mein Talent sich zu entfalten begannen, spürte ich, dass ich der äthiopische Star sein könnte, der andere dazu bringen würde, selbst ins Rampenlicht treten zu wollen, jemand, der unsere Kultur hochhält.  Auf Hebräisch schreibe ich mittlerweile sehr frei, verwende meinen eigenen Slang und entschuldige mich nicht dafür. Auf Spanisch zu schreiben macht mir auch jede Menge Spaß. Sprachen machen ziemlich viel Laune solange du weißt, was genau du mit ihnen zum Ausdruck bringen willst.

 Der israelische Rapper Ravid Plotnik war extrem wichtig darin, dir das Potenzial der hebräischen Sprache für Rap-Musik aufzuzeigen. Was hat seine Lyrics für dich so besonders gemacht?

Ravid war der erste Rapper, den ich gehört habe, der seinen eigenen Slang hatte, der wirklich cool und nicht total übertrieben war. Er hatte eine echte Energie und eine Menge Respekt für die Stadt, aus der er kam. In Israel ist Tel Aviv die Stadt, die in Hip-Hop-Bars am meisten erwähnt wird, weshalb es erfrischend war, dass jemand sich dafür entschied, dass seine Stadt die eigentlich Hauptstadt des Raps war. Ich will das für Rehovot, für Kiryat Moshe leisten.

  1. Du sprichst sehr offen darüber, wie männerdominiert die regionale Szene ist. Was sind gute neue Rapperin, die wir auf dem Radar haben sollten?

Ehrlich gesagt immer noch dieselben Namen wie seit meinen Anfangstagen: Sima Noon, Echo und ich. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr einige jüngere Mädchen mit tierischen Skills sehen werden. Ich interessiere mich sehr dafür, was diese Generation zu sagen hat, ich glaube, dass viele Stimmen noch ungehört sind, weil diese junge Generation sehr gut darin ist, seine Absichten hinter Social Media zu verstecken. Ich wünsche mir, dass uns COVID-19 einige neue Rapper*innen schenkt, die während der Quarantänezeit entdeckt wurden.

  1. Dein Debütalbum hieß »Keter Shakuf«, was übersetzt so viel wie »transparente Krone« bedeutet. Was bedeutet der Titel?

Der Titel »Keter Shakuf« hat sehr viele Bedeutungen für mich. Um mal die Hauptbedeutung aufzugreifen: Es handelt sich um Weckruf an mich und meine Ladys. Malcolm X hat einst gesagt, dass die am wenigsten respektierte, ungeschützteste und vernachlässigste Person in Nordamerika die Schwarze Frau ist und obwohl das vor vielen Jahren und in einem anderen Land gesagt wurde, scheint es mir irrsinnig, wie relevant die Aussage weiterhin bleibt. Ich will nicht, dass uns irgendwer beschützt, vielmehr möchte ich ihren Blick auf uns verändern, indem ich meine Haut, meine Schwestern preise. Zuerst müssen wir verändern, wie sie uns dazu gebracht haben, uns selbst wahrzunehmen, und dann müssen wir unsere Leben und Möglichkeiten verändern. Königinnen sollten wie Königinnen behandelt werden.

  1. Was charakterisiert deinen Arbeitsprozess mit DJ Mesh?

Der Arbeitsprozess von DJ Mesh und mir ist meistens ziemlich flott und intim, wir haben uns trotz des Altersunterschieds sehr gut angefreundet. Ich habe zum ersten Mal überhaupt so viel Zeit in einem Studio bei der Arbeit an einem Projekt verbracht, aber Meshs Anwesenheit und die Lektionen, die er mir auf die Reise mitgegeben hat, waren dermaßen zündend für mich, dass ich unbedingt am Ball bleiben und von einem von Tel Avivs Hip-Hop-G.O.A.T.s lernen wollte.

  1. Ihr habt auch an deinem neuen Album gearbeitet. Was kannst du uns darüber erzählen?

Das neue Album entstand in Kollaboration mit vielen verschiedenen Produzent*innen, wie etwa auf dem Song »Tamid«, der von CohenBeats produziert wurde, oder »Hakul Huz Me Halev«, der von Hefner produziert wurde. Ich habe das Gefühl, dass meine Stimme eine andere ist, sie war viel wütender, was schätze ich daran liegt, dass ich mich beweisen wollte und das ist absolut nichts Schlimmes. Aber ich bin jetzt 22 Jahre alt und werde bald 23 und möchte im Hier und Jetzt meine Ideen zum Ausdruck bringen. Das Album wollte ich als Ansammlung von Gedanken einer jungen Schwarzen Frau aus dieser Generation von äthiopischen Jüd*innen aus Israel anlegen. Es scheint mir, als wären wir viel frecher und selbstbewusster und ich würde liebend gerne die Hymnen für all jene in unserer Gesellschaft und anderswo beisteuern, die genauso fühlen.

  1. Und was können wir von deinem Projekt für Pop-Kultur erwarten?

Was ihr von meinem Projekt für Pop-Kultur erwarten könnt ist Power, unendliche Power. Nichts hat mehr Power als zu sagen, dass du nicht aufgibst und stattdessen dafür kämpfst, an Ort und Stelle zu bleiben. Der laufende Krieg zwischen der Regierung meines Landes und der Öffentlichkeit während der Pandemie lässt alle verzweifelt, alle suchen händeringend nach Arbeit und viele Menschen mussten ihre Geschäfte wegen finanzieller Probleme schließen. Aber meine Freund*innen aus der Musikszene denken niemals ans Aufgeben, obwohl sie sich alle abmühen, während sie neue Musik machen und veröffentlichen. Kunst lässt sich weder von Geld noch einer Regierung, die keine Notwendigkeit in ihrer Förderung sieht, aufhalten oder kontrollieren. Deshalb habe ich den Song »Tamid« für das Projekt ausgewählt.

  1. Was wünschst du dir für die Zukunft dieser Welt?

Ich wünsche mir, dass diese Welt jedes Wesen anerkennt, sie alle mit Geduld behandelt und nicht denjenigen Macht gibt, sie nicht weise damit umgehen können oder sollten. Ich hoffe, dass wir einer gesünderen Zukunft entgegenblicken.